BIO-DYNAMISCHER WEINBAU
Der Weg zum Bio-Winzer
Niki Moser interessierte sich schon immer für Umweltschutz und
für biologischen Weinbau. Sein erstes Buch, das er zu diesem Thema
las – „Hinweise aus der Konstellationsforschung für
Obst- und Weinbau“ von Maria Thun – legte er aber bald
wieder zur Seite. Zu groß war noch seine Skepsis gegenüber
den Methoden in der Landwirtschaft, die sich nach dem Mond orientieren.
Erst als er im Jahr 1999 mit Freunden eine Reise ins Elsass unternahm
und Pierre Frick (Domaine Pierre Frick) und Marc Kreydenweiss (Domaine
Marc Kreydenweiss) kennenlernte, deren Weingärten – trotz
des extremen Peronospera (Falscher Mehltau) - Jahres – die
schönsten und gesündesten der Umgebung waren, sollte sich
seine Einstellung darüber von Grund auf ändern. Voller
Begeisterung begann er sich nach der Rückkehr von seiner Reise mit
dem Thema Bio-Dynamik zu beschäftigen.
Niki Moser entschied sich dafür, eine 2,5 Hektar große
Rebfläche in der Lage Wolfsgraben bio-dynamisch zu bewirtschaften.
Das Lehrgeld im 2. und 3. Jahr war allerdings hoch. Massiver Oidium
(Echter Mehltau) -Befall führte zu einem Ernteausfall von ca. 30
Prozent.
Dennoch setzte er sein Vorhaben weiter um. 2001 kam es zur Umstellung
der ersten Weingärten in Apetlon (kleine Teilparzellen in den
Rieden Hedwighof und Hollabern). Zu Beginn holte er
regelmäßig telefonisch Ratschläge von Marc Kreydenweiss
ein, der ihn so gut er konnte unterstützte. Mittlerweile war auch
Michael Andert, der Weingartenmanager in Apetlon, voll und ganz vom
bio-dynamischen Weinbau überzeugt. Die Weingärten beider
Weinbaugebiete wurden nach und nach umgestellt.
Die beiden anspruchsvollen Jahrgänge 2004 und 2005 waren so etwas
wie der Prüfstein, denn am Ende der Vegetationsperiode und
während der Ernte setzten starke Regenfälle ein – der
Alptraum jedes Winzers. Doch die bio-dynamisch gepflegten
Weingärten waren bereits so gesund und widerstandsfähig, dass
sie auch ohne den Schutz durch chemische Mittel nicht von Pilzen
befallen wurden, sondern aus eigener Kraft gesund blieben.
Diese Erfahrung überzeugte Niki Moser endgültig, sodass er
2005 den gesamten Betrieb auf biologisch-dynamische Bearbeitung
umstellte.
Fakten über den biologisch-dynamischen Landbau:
• Die bio-dynamische Wirtschaftsweise geht auf den
Österreicher Rudolf Steiner (1861-1925) zurück. Sie basiert
auf dem Verstehen von Lebenszusammenhängen in der Natur und deren
Unterstützung. Sie vertritt sozusagen eine ganzheitliche Sicht der
Landwirtschaft.
• Demeter, die griechische Fruchtbarkeitsgöttin, ist
Namenspatin für jenen Anbauverband, der landwirtschaftliche
Betriebe, die auf Grundlage biologisch-dynamischer Richtlinien
arbeiten, vereint.
• Demeter ist der älteste Bio-Bauernverband und der einzige,
der weltweit organisiert ist. Insgesamt gibt es in rund 40 Ländern
3.500 Demeter-Betriebe, davon 110 in Österreich.
• Die jährliche Inspektion ist Voraussetzung für eine fortlaufende Zertifizierung.
• Demeter-Bauern sind nicht nur Erzeuger von Lebensmitteln. Ziel
ist es auch, die Natur zu schützen, zu heilen, aktiv zu gestalten
und zur Kulturlandschaft zu entwickeln.
• Durch die Pflege der Bodenfruchtbarkeit, der Kulturpflanzen und
des Saatgutes unter den jeweiligen natürlichen Standortbedingungen
wird ein landwirtschaftlicher Betrieb zu einem lebendigen Organismus
mit einem autarken, gesunden Kreislauf.
• Pestizide, Herbizide, Kunstdünger und synthetische Spritzmittel sind absolut verboten.
• Mit biodynamischen Präparaten (Hornmist und Hornkiesel) werden Impulse für die Belebung des Bodenlebens und die Anregung
der Reife gesetzt. Mit speziellen Präparaten beimpfter Mist stimuliert den Boden zur Humusbildung.
• Die Berücksichtigung kosmischer Rhythmen (Mondphasen, Planetenstellungen) spielt eine wichtige Rolle.
Weiterführende Info finden Sie unter www.demeter.at.
Bio-Dynamik am Weingut Sepp Moser
Es gibt kein Universalrezept, das in jedem landwirtschaftlichen
Betrieb angewendet werden kann. Die regionalen Gegebenheiten wie Boden,
Klima, Pflanzenarten etc. sollen immer in Betracht gezogen werden.
Um Pilzen vorzubeugen und diese zu bekämpfen, stärkt Niki Moser
die Reben mit Tees aus regionalen Heilpflanzen wie
Brennnessel, Schachtelhalm, Löwenzahn oder Schafgarbe.Für den Pflanzenschutz werden auch Schwefel,
geringe Mengen an Kupfer und Fenchelölextrakten eingesetzt.
Zur Unterstützung der Bodenvitalität verwendet er die biodynamischen Präparate, die gemeinsam mit Bauern aus der Demeter-Arbeitsgruppe
Waldviertel hergestellt werden. Kompost aus Graurindermist im Apetloner Weingut bzw. aus Pferdemist in Rohrendorf kommen zum Einsatz. Zur Ausbringung
der Präparate wird ein Quad verwendet. Dieses ist
wesentlich leichter als der Traktor und bringt somit weniger Druck auf
den Boden.
Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Niki Moser setzt nicht nur auf bio-dynamische Bewirtschaftung unter
Demeter-Vertrag, sondern sieht es auch als seine Verpflichtung,
Landschaftspflege zu betreiben.
In Rohrendorf werden jedes Jahr einige Solitärbäume
ursprünglicher Art gepflanzt. Zum einen verschönern diese Bäume
das Landschaftsbild, zum anderen bieten sie Vögeln und sonstigem
Getier Brut- und Aufenthaltsstätten. Darüber hinaus plant
Niki Moser standortgerechte Pflanzen zu vermehren, von denen es auf den
Trockenrasenflächen zwischen den Rohrendorfer Terrassen einige
sehr selten gewordene gibt. Zur Beratung und Unterstützung wurden
Karin Böhmer, eine Waldviertler Wildblumen-Spezialistin, und Univ.
Prof. Dr. Wolfgang Holzner von der Universität für
Bodenkultur in Wien hinzugezogen.
Die Apetloner Weingärten liegen im Nationalpark Neusiedlersee, einer Landschaft, die an Flora und Fauna äußerst reich ist. Schon seit einigen Jahren gibt es intensive Kontakte zwischen Niki Moser und dem World Wildlife Found (WWF) in der Region. Zu Beginn des Jahres 2006 entstand schließlich eine Kooperation zwischen dem Weingut Sepp Moser, dem WWF und den Verantwortlichen des Nationalparks Neusiedlersee.
Diese Kooperation beinhaltet folgende Punkte:
• Zahlreiche Schulklassen besuchen jedes Jahr den Stützpunkt des WWF in Apetlon, um die Besonderheiten der Flora und Fauna der Region kennenzulernen. Die Kinder und Jugendlichen werden nun auch in die Weingärten geführt, um über das Ökosystem und die einzelnen Pflegemaßnahmen sowie über biologisch-dynamische Bewirtschaftung zu lernen. Sie helfen auch beim Sammeln von Präparatpflanzen, wie z.B. Brennnessel, Löwenzahn und Salbei. Auf diese Weise erhalten sie eine Idee davon, wie man umweltschonend inmitten einer so sensiblen Zone Weinbau betreiben kann. Diese Unterstützung muss natürlich belohnt werden und endet meist in gemütlicher Runde bei Grillwürstel und kühlen Getränken!
• Die Mitarbeiter des Weingutes entfernen im Spätsommer, wenn die Weingartenarbeit größtenteils getan ist, Bäume und Sträucher (Ölweiden, Wildrosen etc.) an der Langen Lacke, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen und einer „Verbuschung“ entgegenzuwirken. Im Gegenzug dafür versorgt der Nationalpark das Weingut mit Grünschnitt von den ökologisch wertvollen Flächen. Dieses organische Material ist voll von seltenen und teils sehr aromatischen Wildkräutern. Daraus entsteht ein spezieller, rein pflanzlicher Kompost für die Weingärten.
Niki Moser und Michael Andert, der Weingarten-Manager in Apetlon, sind davon überzeugt, dass diese Maßnahmen auf Dauer einen sehr positiven Einfluss auf die ökologische Balance in und rund um die Weingärten haben. Studien im Loire-Tal haben gezeigt, dass der Krankheits- und Schädlingsdruck auf die Reben aufgrund der nachhaltigen Anhebung der Biodiversität eindeutig reduziert werden konnte.